von Annette Bohlen | März, 2025 | Architektur, DE, Geschichte, Sehenswürdigkeiten

Von der Terrasse des Schlosses aus hat man einen Ausblick bis zum Kölner Dom und natürlich über Bonn. Der Anblick bei strahlend blauem Himmel ist märchenhaft. Glücklicherweise konnte eine Bürgerinitiative das Schloss in den 1970er Jahren vor dem Abriss zugunsten eines Autobahnkreuzes retten.
Eine wechselvolle Geschichte hat das Schloss seit der Erbauung als
Deutschordenskommende im 13. Jahrhundert im Zusammenhang mit den Kreuzzügen. Bis zur Säkularisierung 1803 war es wirtschaftlicher Stützpunkt des Deutschen Ritterordens und danach Sitz mehrerer Adelsfamilien. Die heutige so bemerkenswerte Architektur entstand nach einem großen Brand beim Wiederaufbau 1842 im vorwiegend neugotischen Stil.
Unter den zahlreichen Besitzern ist die zunächst jugendliche Bewohnerin Freifrau von Francq (Stieftochter des damaligen Besitzers Fürst Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck) besonders zu erwähnen. Sie bewohnte das Schloss 1861-1881 und prägte das inzwischen herausgeputzte Schloss mit dem Anbau im englischen Stil – damals die Räumlichkeiten für Damen – und dem Ausbau des weitläufigen Ennert Parks u.a. mit exotischen Bäumen. Auch eine damals ungewöhnlich moderne Ausstattung wie eine Art Toilette im Obergeschoss veranlasste sie.
Ein weiterer Besitzer, Albert Moritz Freiherr von Oppenheim, hat ebenso deutliche Spuren hinterlassen. Als Bankier und Kunstsammler geht der Innenausbau des Schlosses – besonders deutlich im Treppenhaus und im heutigen Restaurant – auf ihn zurück. Dieses Erbe – Wandvertäfelungen, Deckenfassungen im Stil des Historismus – wurde nach der Nutzung verschiedener Institutionen nach dem 2. Weltkrieg ab 1978 von neuen Besitzern nach und nach restauriert, sodass ein außergewöhnliches Hotel und Restaurant entstanden ist und im laufenden Betrieb weitere Zimmer im Obergeschoss restauriert werden können. Man ist heute stolz darauf, dass Tina Turner gerne einige Zeit fern vom Kölner Trubel in einer Suite im weißen Turm wohnte und heute andere Prominente, Scheichs mit ihren Familien oder Gäste aus Wirtschaft und Politik hier nächtigen.
Seit 2017 betreibt ein Kölner Gastronom sowie eine Investitionsgesellschaft das außergewöhnliche Restaurant, Hotel und die Remise für Veranstaltungen. Sogar Standesamtliche Hochzeiten sind hier im
Schlosshotel Kommende Ramersdorf möglich. Jederzeit schön für einen Ausflug!
von Gert Fischer | März, 2025 | DE, Geschichte, Sehenswürdigkeiten
Mit dem Alten Friedhof in der Innenstadt, dem Bad Godesberger Burgfriedhof und dem Poppelsdorfer Friedhof verfügt Bonn über drei aufgrund ihrer Bedeutung, ihres Ambientes oder ihrer Lage herausragende Begräbnisstätten. Nimmt man die noch erhaltenen und historisch weiter zurückreichenden dörflichen Kirchhöfe in einigen Stadtteilen dazu, so ist die Bonner Friedhofslandschaft fast schon eine Reise wert. Dieses historische Erbe überschattet die moderneren Anlagen.

Foto: A. Savin
So ist Bonns mit Abstand größter Friedhof, der Nordfriedhof an der Kölnstraße im heutigen Ortsteil Auerberg, vielleicht das Aschenputtel. 1884 als offizieller Nachfolger für den nicht mehr erweiterbaren Alten Friedhof eröffnet, hatte er schon einen denkbar schlechten Start. Das war vor allem dem Ort geschuldet. Mehr als drei Kilometer von der Bonner Innenstadt entfernt, lag er jenseits der Ringe am damals äußersten nördlichen Stadtrand. Einen Bahnanschluss erhielt er erst 1906, als die Rheinuferbahn ihren Betrieb aufnahm. In den ersten Jahrzehnten seines Bestehens lag er im freien Feld. Auf dem Weg dorthin passierte man die vor sich hin kokelnde Müllkippe im Bereich des heutigen Sportparks Nord, die Rheinische Provinzial-Irrenanstalt (heute LVR-Klinik Bonn), das Städtische Hilfshospital für Geisteskranke, Epileptiker und Trunksüchtige und das von der Bonner Armenverwaltung betriebene Waisenhaus und Erziehungsheim, das sich in Nachbarschaft zum neuen Friedhof an der Stelle des ehemaligen Leprosenhauses (Isolierstätte für ansteckende Kranke) befand. Und den Zeitgenossen war auch sicherlich noch bewusst, dass die Friedhofsfläche die frühere Richtstätte mit dem Galgen und den Schindanger, auf dem nicht mehr verwertbare Tierkörper entsorgt worden waren, umfasste. Es überrascht daher nicht, dass die damals so genannten „besseren Kreise“ sich woanders um Grabstätten bemühten. Nach 1905 wurde das auch offiziell möglich. Wer „westlich der Eisenbahn“ wohnte, konnte sich auf dem Friedhof des jüngst eingemeindeten Poppelsdorf bestatten lassen. Von dieser Möglichkeit machten die Bewohner der Süd- und der Weststadt reichlich Gebrauch. Der Nordfriedhof wurde so zum Friedhof für die Innenstadt und die Nordstadt. Entsprechend sind die Namen der hier bestatteten lokalgeschichtlich bedeutsamen Familien mit diesem Teil der Stadt verknüpft. Die Grablegen der Professoren und reichen Rentiers entstanden wie auch die vieler Bonner Honoratioren vor allem auf dem Poppelsdorfer Friedhof.
Dennoch hat der Nordfriedhof schrittweise seinen Platz in der Bonner Friedhofslandschaft gewonnen. Als Parkanlage vorbildlich gestaltet und seit 1913 auch mit einer fast kirchengroßen „Kapelle“ versehen, veränderte er sich zum Positiven. Seine dreimalige Erweiterung belegt, dass er dann doch zum Friedhof für Viele geworden ist. Das hat auch der teilweise rücksichtslose Umgang mit seiner historischen Substanz nicht verhindern können. So wurden in den 1960er Jahren bei der Verbreiterung des Hauptzugangs Grabmäler reihenweise abgeräumt, und auch das neoromanische Tor wurde abgebrochen. Im Resultat ist heute die Liste der unter Denkmalschutz stehenden bzw. „erhaltenswerten“ Grabmonumente im Vergleich zur Größe des Friedhofs kurz.
Ein besonderes Kapitel stellt der Charakter des Nordfriedhofs als Ehrenfriedhof dar. Die Anfänge dieser Entwicklung liegen im Ersten Weltkrieg. Heute sind hier nicht nur die deutschen Gefallenen und Bombentoten zweier Weltkriege begraben, sondern auch zahlreiche Zwangs- und Fremdarbeiter sowie Kriegsgefangene. Zunächst ein Ort lokalen Gedenkens, wurden Kriegsgräberstätte und Ehrenfriedhof 1980 zur zentralen „Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Kriegsopfer und die Opfer der Gewaltherrschaft“ (heute in Berlin in der Neuen Wache). Damals wurde die von Hans Schwippert – bekannt als Architekt der Umbauten der Pädagogischen Akademie zum Bundeshaus und des Palais Schaumburg zum Bundeskanzleramt – für diesen Zweck entworfene Bronzeplatte aus dem Hofgarten in den Nordfriedhof übertragen. Zu den peinlicheren Kapiteln der Bonner Stadtgeschichte gehört, dass sie 2017 gestohlen und durch eine Kopie in Sandstein ersetzt wurde.
Als relativ moderner Friedhof war der Nordfriedhof nicht katholisch konsekriert und auch nicht an historische Strukturen gebunden. Daher spiegelt er besser als viele ältere und durch den Denkmalschutz auf einen früheren Zustand festgelegte Anlagen die Entwicklungen, die das Bestattungswesen in der jüngeren Vergangenheit geprägt haben. So ist beispielsweise ein jesidischer Friedhof integriert. Es gibt Gräber, in denen nach griechisch-orthodoxem oder russisch-orthodoxem Ritus bestattet wurde, sowie einen Bereich für im Mutterleib oder bei der Geburt verstorbene Kinder. Und schon seit 1990 verfügt er über ein islamisches Gräberfeld.
Ein Spaziergang über den Nordfriedhof ist daher nicht ganz so interessant, wenn man sich für Kunst, historisch bedeutsame Grabstätten und berühmte Namen interessiert. Vielmehr ist er eine großzügig angelegte Parkanlage, der die Sozialstruktur der Bonner Innenstadt und des Bonner Nordens spiegelt. Dabei sind spannende Entdeckungen nicht ausgeschlossen. So findet man beispielsweise drei Gräber von Angehörigen der Religionsgemeinschaft der Sikh, die mit den britischen Besatzungstruppen nach dem ersten Weltkrieg nach Bonn gekommen waren. Oder auch das Grab des im Namen der islamischen Revolution im Iran 1992 in Bonn ermordeten Sängers und Entertainers Fereydun Farrochsad.
Darüberhinaus ist der Nordfriedhof von ökologischem Interesse. Er verfügt über bemerkenswerte Bäume und aufgrund seiner Größe über einen artenreichen Tier- und Pflanzenbestand. Die Stadt Bonn nutzt ihn mit Unterstützung des Rotary Clubs als Experimentierbereich für „Zukunftsbäume“ – als „Klimahain“.
Man würde sich wünschen, dass die inzwischen seit zwei Jahren andauernden Restaurierungsarbeiten an der Friedhofskapelle endlich abgeschlossen würden. Bis dahin finden die Trauerfeiern in einem unwürdigen Plastikzelt statt. Der Nordfriedhof ist dennoch einen Besuch wert!
von Susanne Erbay | Feb., 2025 | DE, Geschichte, Sehenswürdigkeiten, Tradition, Veranstaltungen
Der Bonner Karneval wird auch als „Fünfte Jahreszeit“ bezeichnet und beginnt offiziell am 11. November um 11:11 Uhr und erreicht seinen Höhepunkt in den Tagen vor Aschermittwoch.
Ursprünglich wurde der Karneval als heidnisches Fest gefeiert, um den Winter zu vertreiben. Später wurde der Karneval vor der christlichen Fastenzeit vor Ostern gefeiert.
Auch wenn nicht alle Bonnerinnen und Bonner Karneval mögen und feiern, hat er eine kulturelle und soziale Bedeutung. Viele engagieren sich in Karnevalsvereinen, von denen es zahlreiche in Bonn und den Bonner Stadtteilen gibt. Jeder Karnevalsverein hat andere ‚Uniformen‘ oder Kostüme. Die Uniformen gehen auf die französische Besatzung Ende des 18./ Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Die Besatzer verboten den
Karneval, da sie Aufruhr fürchteten. Nach dem Ende der Besatzung wurde aber wieder gefeiert, und zwar in den Uniformen, die die Franzosen hinterlassen hatten. Man machte sich damit lustig über die Besatzer, später auch über die preußischen Besatzer. Ein Überbleibsel ist der ‚Stippeföttche‘, ein Tanz, bei dem Männer mit Säbel und Gewehr (in dem allerdings Blumen stecken) ihre Hinterteile aneinander ‚wibbeln‘.
Die Karnevalsvereine organisieren während der Session viele Karnevalssitzungen. Es gibt Prunksitzungen, Bälle, Tanzpartys, Damensitzungen, Herrensitzungen, Kindersitzungen – für jeden ist etwas dabei. Manch ein erfolgreicher Comedian oder auch einige Musiker hatte dort seine ersten Auftritte und legten den Grundstein für ihren Erfolg.
Der Auftakt des Straßenkarnevals ist die Weiberfastnacht. Traditionell stürmen die Frauen an diesem Tag das Rathaus, schneiden den
Männern die Krawatten ab und übernehmen symbolisch die Macht. Dieser Brauch wurde vor 201 Jahren, im Jahr 1824, von den Beueler Wäscherinnen eingeführt. Damals brachten die Männer per Schiff die frisch gewaschene Wäsche nach Köln bekamen dafür das Geld, das sie häufig auch im Karneval verprassten. 1824 reichte es den Wäscherinnen und sie beschlossen, hart durchzugreifen. Sie trafen sich zum Kaffeeklatsch und gründeten das Alte Beueler Damenkomitee 1824 e. V. Seitdem wird in Beuel traditionell das Rathaus gestürmt und es findet der Weiberfastnachtszug statt.
Am Karnevalssonntag wird das Alte Rathaus am Bonner Marktplatz durch die Narren gestürmt. Die Oberbürgermeisterin versucht es zu verteidigen – natürlich erfolglos. Ab 11 Uhr herrscht ein närrisches Treiben auf dem Bonner Marktplatz – schaut doch mal vorbei.
Der Höhepunkt des Bonner Karnevals ist der Rosenmontagszug. Mehrere
Stunden lang ziehen geschmückte Wagen, Fußgruppen und Musikvereine durch die Innenstadt und die Nordstadt. An der Zugstrecke stehen Tausende von Menschen und sammeln ‚Kamelle‘ und ‚Strüssje‘, also Bonbons und Blumensträuße. Für alle, die noch nie dabei waren: nehmt genügend Beutel für die Süßigkeiten mit.
Der Prinzen und die Bonna sind die Repräsentanten der Stadt während der närrischen Zeit. Sie nehmen an zahlreichen Veranstaltungen teil und sind die Stars der Session und natürlich des Rosenmontagszugs. Der letzte Wagen des Rosenmontagszugs ist der Wagen des Bonner Prinzenpaars, bevor dann die Stadtreinigung Bonn-Orange den gröbsten Schmutz des Zuges beseitigt. Ordnung muss sein. 🙂
Es lohnt sich auch als Nicht-Bonnerin oder Nicht- Bonner in jedem Fall, sich auf das Abenteuer Karneval einzulassen.
Mehr Informationen und Termine gibt es unter https://www.karneval-in-bonn.de/start/index.html
von Gert Fischer | Dez., 2024 | Architektur, DE, Geschichte, Sehenswürdigkeiten
Die Freitreppe des Alten Rathauses hat bessere Tage gesehen. Ihre großen Auftritte sind rar geworden. Regelmäßig rückt sie nur noch am Karnevalssonntag in den Mittelpunkt, wenn die Karnevalisten zum Rathaussturm ansetzen. Dazu kommen seltene Ereignisse, in denen sie ihre frühere Bedeutung als große Bühne für kurze Zeit zurückgewinnt. So geschehen 2023, als die Telekom Baskets Bonn sich nach dem Gewinn der Champions League von ihren Fans auf ihr feiern lassen durften. Den Marktplatz füllen konnten die Jubelnden bei dieser Gelegenheit genauso wenig, wie die Jecken das am Karnevalssonntag schaffen. Da war Charles de Gaulle schon eine andere Nummer, als er sich am 5. September 1962 ins Goldene Buch der Stadt eintrug und danach unter Begeisterungsstürmen zusammen mit Konrad Adenauer auf die Freitreppe hinaustrat. Der Markt und der Bischofsplatz waren schwarz von Menschen, die bis weit hinein in die Sternstraße und die Wenzelgasse standen. Nach einer frei und auf Deutsch gehaltenen Rede schritt der damals akut attentatsgefährdete französische Staatspräsident zum Entsetzen seiner Sicherheitsleute die Treppe hinunter und nahm dann das, was wir heute ein Bad in der Menge nennen.



Vergleichbares hat die Rathaustreppe in Bonner Hauptstadtzeiten immer wieder erlebt. Von Theodor Heuss, der sich unmittelbar nach seiner Wahl zum ersten Bundespräsidenten von hier an das deutsche Volk wandte, über Kennedy 1963 und die Queen 1965 reicht die Liste bis hin zu Gorbatschow im Jahr 1989. Längst nicht alle Anlässe waren so spektakulär, und im Verlauf der Zeit zog auch Routine ein. Staatsbesuche waren, anders als noch in den sechziger Jahren, Alltag geworden. Trotzdem blieb die Rathaustreppe so etwas wie die Bühne der Bonner Republik. Der Grund war profan: Das Regierungsviertel lag abseits und es verfügte – Provisorium, das es war – über keine repräsentative Versammlungsfläche. Der Markt half aus.
Das gilt im übrigen auch für Demonstrationen. Bis in die achtziger Jahre hinein, als die Proteste gegen die Nachrüstung aufgrund ihres schieren Umfangs in den Hofgarten ausweichen mussten, war der Bonner Markt der wichtigste Demonstrationsort der Bundesrepublik Deutschland. Die Rathaustreppe spielte auch da manchmal eine Rolle – die vielleicht unrühmlichste am 10. April 1973, als Mitglieder der K-Gruppen im Schutz einer Studentendemonstration gegen den Besuch des südvietnamesischen Präsidenten in Deutschland das Rathaus stürmten – die Bedeutung dieser Begriffe für den Karneval mag ihnen nicht bewusst gewesen sein – und seine Einrichtung zu Klump schlugen. Danach ließen Sie sich, auf der Treppe stehend, von den Demonstranten feiern. Wir wohnten damals am Belderberg, und ich kann mich noch daran erinnern, wie die Demonstranten, im Sprunglauf untergehakt, vom Suttnerplatz kommend in die Rathausgasse einbogen und dabei den Namen Ho Chi Minhs skandierten. Der Rest ist Geschichte.
Revolutionär war es auf der Treppe schon viel früher: Am 20. März 1848 z.B. marschierte Gottfried Kinkel an der Spitze eines Zuges von Bürgern, Professoren und Studenten. Bewaffnet mit einer schwarz-rot-goldenen Fahne bestieg er die Freitreppe des Rathauses und sprach, wie Carl Schurz es ausdrückte, mit „wundersamer Beredsamkeit“. Weniger lebhaft ging es am 24. Oktober 1923 zu, als um 6 Uhr morgens, bezeichnenderweise fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit und unter dem Schutz französischer Soldaten, die „Rheinische Republik“ durch örtliche Separatisten von der Treppe aus proklamiert wurde. Der Spuk war mangels Unterstützung durch die Bevölkerung bald vorbei.
Die Bedeutung, die der Bonner Markt vor der Kulisse des Rathauses und mit der Rathaustreppe als natürlicher Bühne einst hatte, ist heute fast in Vergessenheit geraten. So erklärte der SWR jüngst, de Gaulle habe seine Rede im Hofgarten gehalten. Und Bonn erinnert sich auch nur hin und wieder an die Möglichkeiten, die das Rathauspanorama bietet. Ein großes Fest, bei dem die Bühne das Alte Rathaus verdeckt, ist eine vertane Chance. Am meisten aus den Möglichkeiten machen heutzutage noch die Brautpaare, die sich an dieser historischen Stätte trauen lassen. Gerne nutzen Sie die Freitreppe für das Spalier ihrer Gäste und bewahren so etwas von dem Charme des Ortes. Dumm nur der Ladeverkehr, der die schönen Bilder immer öfter stört. Dieser Eindruck mag subjektiv sein.
Hier erfahrt ihr mehr über die deutsch-französischen Beziehungen und de Gaulles Besuch in Bonn.
von Ursula Dillenburger-Brendt | Nov., 2024 | DE, Kulinarik, Sehenswürdigkeiten, Tradition
Wenn im tristen Monat November die Tage dunkler werden und feuchte Kälte die Stimmung trübt, dann gehe ich, bevor der Winterblues mich ereilt, auf den Weihnachtsmarkt. Rund um den Münsterplatz in Bonn sind Holzbuden aufgebaut und verbreiten eine heimelige Atmosphäre mit Weihnachtsdekoration und Lichterglanz. Es duftet verführerisch nach Glühwein, Zimt, gebrannten Mandeln und leckerem Essen, sodass unweigerlich der Stimmungspegel steigt.
Die Budenstadt zu Füßen des Bonner Münsters ist voller Gewimmel. Hier wirkt Enge heimelig. Ich fühle mich zurückversetzt in die Vergangenheit und stelle mir vor, wie unsere Bonner Vorfahren schon im ausgehenden Mittelalter auf diesen Platz kamen, um sich auf dem Markt für den kommenden Winter einzudecken, es sich bei Essen und Trinken gutgehen zu lassen und natürlich, um den neuesten Klatsch auszutauschen.
Das ist heute, mehr als ein halbes Jahrtausend später, nicht viel anders. In einem großen Teil der 160 Holzbuden zwischen Remigiusplatz, Münsterplatz und Friedensplatz kann man Schönes und Nützliches bis hin zu ausgefallener Handwerkskunst erstehen und so die benötigten Weihnachtsgeschenke für Familie und Freunde besorgen. Hier findet man Individuelles außerhalb der gängigen Warenhausangebote. Inspiriert durch die liebevoll dekorierten Auslagen entdeckt man Präsente, auf die man zuhause auf dem Sofa nicht kommen würde. Originelle Schmuckanhänger zum Beispiel oder doch gleich die handgestrickten Socken aus reiner Wolle für den Tochter, die immer kalte Füße hat? Und für die Freundin, die schon alles besitzt, geht ein bisschen neue Weihnachtsdeko doch immer!
Zwischendurch brauche ich eine Stärkung. Der Flammlachs, auf offenem Feuer zubereitet, duftet verführerisch, trotzdem kehre ich zurück zum rheinischen Klassiker, Reibekuchen mit Apfelkompott. Dazu weihnachtliche Klänge von allen Seiten. Das glückliche Kinderlachen aus Richtung des historischen Etagenkarussells erinnert mich an die lieben Kleinen aus der Familie. Für sie muss ich mich zwischen handgearbeitetem Holzspielzeug und einem niedlichen Perlgraupentier entscheiden. So langsam reicht die mitgebrachte Einkaufstasche nicht mehr. Aber auch dafür ist hier gesorgt. Wollte ich mir nicht schon seit langer Zeit so einen schönen Korb kaufen? Gedacht, getan – nun nur noch das handgeschöpfte Geschenkpapier besorgen und meine Weihnachtsmarktrunde war mehr als erfolgreich.
Darauf muss angestoßen werden! Entspannt Weihnachten entgegenblickend genehmige ich mir einen Eierpunsch, ein Getränk aus Weißwein, Eierlikör, Vanille und Zucker, heiß serviert und mit Schlagsahne garniert. Das klingt eigentlich furchterregend, ist aber überraschend lecker und jetzt genau das Richtige. Dass ich hier alleine stehe, macht überhaupt nichts. Nach kurzer Zeit, wir sind ja im Rheinland, schwärme ich mit meinem Nachbarn von der Vorweihnachtszeit in der Stadt Bonn.
Selbstverständlich ist das nicht mein einziger Weihnachtsmarktbesuch. Ich werde mich, wie so viele andere auch, verschiedentlich mit Freunden auf einen Glühwein treffen, Der versüßt uns dann das Schmuddelwetter – und sollte es tatsächlich bitterkalt sein, schmeckt er sowieso am besten.
Und dann gehe ich natürlich zum traditionellen Weihnachtsmarkttreffen der Bonn Greeters. Mit Austausch von Anekdoten und Informationen, einem Bummel durch die Budenstadt und Kostproben an verschiedenen Ständen machen wir uns kundig für eine Stadtbesichtigung mit unseren Gästen, der -Besuchern zufolge- zu den saisonalen Sehenswürdigkeiten in Bonn gehört.
Der Weihnachtsmarkt ist bis zum 22. Dezember von geöffnet, Verkaufsstände von 11 bis 21 Uhr, Imbiss-und Ausschankbuden sonntags bis donnerstags bis 21. 30 Uhr, freitags und samstags bis 22. 30 Uhr. Und für alle, die sich nicht so schnell vom heimeligen Setting trennen möchten, hat Bonn Tourismus in diesem Jahr erstmalig über die Vorweihnachtszeit hinaus einen Dreikönigsmarkt geplant. Er findet statt auf dem Remigiusplatz in der Zeit vom 27. Dezember bis einschließlich Montag, 6. Januar.
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