von Gert Fischer | Apr., 2026 | Bonner Viertel, DE, Geschichte, Sehenswürdigkeiten, Tradition
Das letzte Hochwasser des Rheins hat Bonn im Januar 2025 gesehen. Der Pegel stieg auf nicht ganz 7,50 m und hatte damit die niedrigste Hochwassermarke um einen halben Meter überschritten. Keine große Sache für langjährige Rheinanwohner. Zunächst auf dem rechten Rheinufer in Beuel und dann an einigen anderen Stellen wurden die Uferpromenaden gesperrt.Die Autofähren konnten nicht mehr erreicht werden, und eine wichtige Straßenbahnverbindung wurde vorsichtshalber unterbrochen. Passiert ist nichts. Es war mehr die Gelegenheit für einen Sonntagsausflug ans Rheinufer.
Ganz anders die Flutkatastrophe von 1784. Sieht man einmal von zwei ex
tremen Fällen im 14. Jahrhundert ab, über die es keine genauen Nachrichten gibt, war sie das mit Abstand schlimmste Hochwasserereignis am Rhein in historischer Zeit. Zwar existiert, der Bonner Rheinpegel erst seit 1820, aber das Hochwasser von 1784 lässt sich rekonstruieren. Es erreichte mehr als 14 Meter und damit 4 Meter mehr als jedes andere Hochwasser der letzten 650 Jahre. Auf dem rechten Rheinufer dehnten sich die Fluten bis in den Bereich des heutigen Beueler Bahnhofs aus. Mit Ausnahme der Wolfsburg, einer mittelalterlichen Wasserburg, wurden hier sämtliche Häuser zerstört. Auch im eigentlich hochwassersicheren Bonn wurden die zum Rhein hin gelegenen Quartiere, darunter das jüdische Viertel, schwer getroffen. Durch den ehemaligen Stadtgraben soll das Wasser sogar auf die Rückseite der Innenstadt gelangt sein und im Kreuzgang des Münsters gestanden haben. Dass es kaum Tote und Verletzte gab, lag am besonderen Charakter dieses Hochwassers. Während ‚normale’ Hochwasser das Ergebnis von Regen oder Schneeschmelze an den wichtigen Nebenflüssen sind und sich relativ schnell als Flutwelle den Rhein entlang bewegen, spielte dieses Mal das Eis eine große Rolle. Während mehr als zwei Monaten herrschten arktische Temperaturen, wiederholt unterbrochen durch starke Schneefälle und kurze Perioden von Tauwetter. Die Eisschollen türmten sich zu Barrieren auf, das Wasser konnte nicht abfließen und schon Wochen vor der eigentlichen Katastrophe stieg es langsam immer höher. Das gab den Menschen immerhin Zeit, sich und ihre Tiere zu retten. Als die Eisdämme Ende Februar endgültig brachen, waren es die Eisschollen, die die größten Verwüstungen anrichteten.
Hochwasser kennt der Bonner Raum, seit hier Menschen leben. Die Stadt und die Siedlungen, aus denen sie erwachsen ist, liegen in einer Landschaft, die der Rhein geschaffen hat. Zwischen dem Siebengebirge und dem Ennert im Osten und dem Kottenforst und dem Venusberg im Westen hat er einen Taltrichter gegraben, der bis heute von ehemaligen Flussarmen durchzogen wird. Sie sind immer noch vorhanden, aber im heutigen Stadtbild kaum noch zu erkennen. Der Mensch hat sich dieser Landschaft nur zögernd genähert. Die frühesten menschlichen Spuren stammen von den Hängen des Venusbergs und des Ennert. Die nur wenig über dem Flussniveau liegende Niederterrasse wurde erst spät besiedelt; und zwar an sorgfältig ausgewählten hochwassersicheren Punkten. Hier konnten wenige Meter den Unterschied machen. Dabei ist der Bereich der heutigen Bonner Innenstadt immer der sicherste gewesen. Sein höchster Punkt in der Acherstraße befindet sich etwa 20 Meter über der Nulllinie des modernen Bonner Pegels. Ähnlich sicher liegen auch alte Siedlungskerne wie Muffendorf, Friesdorf oder Rüngsdorf im Bonner Süden. Deutlich stärker gefährdet sind bis heute Teile des Stadtgebietes auf dem rechten Rheinufer im Bereich der ehemaligen Stadt Beuel.
Wer mehr darüber wissen will, was die Hochwasser des Rheins auch heute noch für Bonn bedeuten
können, dem sei ein Spaziergang am Beueler Rheinufer empfohlen. Hier finden sich an verschiedenen Stellen Marken, die die Hochwasser der Vergangenheit dokumentieren, und überall sind die Mauern und Fluttore sichtbar, die die erste Schutzlinie bilden.Sie sichert heute bis zu einem Pegelstand von 9,50 m, eine zweite, dahinter liegende bis 11,50 m. In der Rheinaustraße liegen die Erdgeschosswohnungen in vielen Häusern in der ersten Etage. Im eigentlichen Erdgeschoss befinden sich nur Garagen und Lagerräume – Erinnerungen an die nur wenige Jahre zurückliegende Zeit, in der schon ein 8,50 Meter-Hochwasser bis hierhin kam. Besonders ausgeprägt ist der Schutz im Beueler Norden. Der Rheindeich in Richtung Siegmündung ist nicht nur ein schöner Spazierweg, er versichert auch gegen ein Hochwasser bis 11,50 Meter. An der Bonner Rheinpromenade gibt es Vergleichbares nicht. Während südlich des Alten Zolls die Gebäude schon immer hoch am Steilhang lagen, hat man die Stadtquartiere weiter nördlich dadurch gesichert, dass man das Ufer aufgeschüttet hat; einmal in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei der Anlage der Rheinpromenade und zuletzt unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals wurden die Trümmer der zerbombten Altstadt zur Anhebung des Rheinufers um fast zwei Meter verwendet. Die ursprüngliche Höhe kann man noch am Fuß des Brückenpfeilers sehen, wo ein Stück der alten Promenade erhalten geblieben ist.
Dass dramatische Hochwasser auch in unseren Tagen noch vorkommen, haben die Jahre 1993 und 1995 gezeigt. In beiden wurde die 10 Meter-Marke überschritten. Schlagzeilen hat dabei das Schicksal des so genannten „Schürmann-Baus“ gemacht. Ursprünglich als Erweiterung des Bundeshauses geplant und heute Sitz der Deutschen Welle, wurde sein Rohbau vom Grundwasser der Flut des Jahres 1993 nach oben gedrückt und stand danach schief. Die Verantwortlichen haben damals nicht, wie es eigentlich vorgesehen war, die Tiefgarage geflutet, weil dort die zum Einbau vorgesehene Lüftungsanlage zwischengelagert war. Der Schaden war gigantisch. Dennoch hat sich der Bund gegen den Abriss und für die Fertigstellung des Gebäudes entschieden. Die Ereignisse dieser beiden Jahre sind es auch gewesen, die insbesondere auf dem rechten Rheinufer zu einer deutlichen Verstärkung des Hochwasserschutzes geführt haben. Dazu zählte auch ein aufwändiger Umbau der Kanalisation, um das Eindringen des Wassers auf diesem Weg zu verhindern.
Auch wenn in unseren Tagen eher die seit einigen Jahrzehnten im Durchschnitt sinkenden Pegel – der Klimawandel lässt grüßen – im Fokus stehen, weil sie die Leistungsfähigkeit des Rheins als Wasserstraße gefährden, wird das Thema Hochwasser Bonn auch in Zukunft begleiten.
von Annette Bohlen | Sep., 2025 | Architektur, Bonner Viertel, DE, Geschichte, Sehenswürdigkeiten
Baujahr 1957 und in Nierenform, gefliester Sockel und ein breites Überdach: ein (Kult-)Kiosk mitten im UN- bzw ehemaligen Regierungsviertel in Bonn.
In diesem Viertel, etwas abseits von der Innenstadt, gab es noch nie viele Geschäfte oder Lokale, in Regierungszeiten eine kleine Ladenzeile fürs Nötigste. Aber die wichtigsten Zeitungen gab es am Kiosk von Jürgen Rasche, dem nach seiner Mutter langjährigen Besitzer, wo sich die damalige Politprominenz wie Joschka Fischer und Norbert Blüm, Angestellte der umliegenden Bundesinstitutionen und Journalisten auch zu einem Kaffee oder einer Bratwurst trafen. In diesem Regierungsviertel waren die Wege zu Büros und Sitzungen oder in den Plenarsaal zu Fuß oder per Fahrrad kurz, gerne traf man sich noch zum persönlichen Austausch mangels anderer Möglichkeiten im Presseclub, in der Villa Dahm oder in der kleinen Bar unter dem Ersatzplenarsaal am Rheinufer. Oder – wie gesagt – auf einen kleinen Informationsaustausch am Büdchen.
-
Mit der Verlagerung der Hauptstadt nach Berlin im Jahr 1999 verlor das Bundesbüdchen zunächst an Bedeutung und musste schließlich dem Neubau des WCCB weichen (World Conference Center Bonn). Immerhin rettete der Denkmalschutz das edle Büdchen, es wurde auf einem Speditionshof eingelagert. Es blieb für die Bonner Bevölkerung ein Symbol für die Blütezeit der Stadt als Regierungssitz, daher konnte ein engagierter Förderverein schließlich die Restaurierung finanzieren und wir freuen uns heute über dieses Relikt aus Regierungszeiten, nun neben dem World Conference Center, wo Brötchen, Kuchen und mehr verkauft werden.
von Matthias Uhl | Juli, 2025 | Bonner Viertel, DE, Kunst, Sehenswürdigkeiten
Jetzt ist die Kirschblütensaison vorbei! Vergänglich wie jedes Jahr! Schade! Einige Greets habe ich durchgeführt auch mit Freunden und der kompletten Familie! „Satt sehen“ konnte ich mich nicht.
Also jetzt einfach ein Jahr abwarten bis zu nächsten Blüte? Ich meine: „Nein, ganz sicher nicht!“
Ich lebe seit Jahrzehnten mit Familie in diesem lebendigen Teil von Bonn und ich bleibe! Okay der Begriff „Altstadt“ ist irreführend !
Klar: Historisch „Nordstadt“, okay.! Als Bewohner erinnere ich mich gut an die Zeit vor der Altstadtsanierung Mitte der 80er Jahre. Beliebt war das Viertel nicht. Welch eine positive Entwicklung!
Ich schlenderte gerne durch die kleinen Straßen mit ihren interessanten Geschäften. Wo früher Autos parkten befindet sich heute Außengastronomie!
Ich mag die vielfältigen Möglichkeiten zum Ausgehen für Menschen aller Altersgruppen und Einstellungen. Familien mit Kindern sind zahlreich und beleben das Viertel. Bevorzugt wird hier eindeutig das Fahrrad.
Erwähnt sei hier auch die vielfältige Streetart-Szene. Kölner, Bonner, aber auch weltweit bekannte Künstler findet man im Veedel, wenn auch oft nur auf den „zweiten Blick“!
Das Museum „August Macke Haus“, der Bonner Kunstverein, Ateliers und ganz wichtig der Karneval wären sicher einen zusätzlichen Beitrag wert.
Aber wie der Bönnsche (Bonner) sagt: „Jetzt iss ett ewer och joot! Jenoch jeschwaad !“ (Jetzt ist es aber auch gut! Genug geredet!)
Maat et joot (Macht es gut)
von Helga Stark | Apr., 2025 | Bonner Viertel, DE, Sehenswürdigkeiten, Tradition
In einer ersten Phase blühen die weißblütigen Kirschen wie z.B. die Pflaumenkirsche in der Wolfstraße, Franzstraße oder auch in der Rheinaue. Danach dauert es noch ca. 14 Tage bis die dicken rosablütigen japanischen Blütenkirschen (vor allem in der Breite Straße und in der Heerstraße) das Auge erfreuen.
Wie kam Bonn überhaupt zu diesen herrlichen Kirschen? In den 80er Jahren wurde die Altstadt (die eigentlich die Nordstadt ist und nur aus touristischen Gründen in „Altstadt“ umbenannt wurde) saniert. Der Verkehr wurde beruhigt und als Farbtupfer waren japanische Kirschen geplant. Die Kirschbäume bekam Bonn von der japanischen Regierung geschenkt und die Stadtplanerin Brigitte Denkel sorgte dafür, dass diese eingepflanzt wurden. Die Kirschblüten symbolisieren also die Freundschaft zwischen Japan und Deutschland.
In vielen Kulturen haben Kirschblüten eine besondere symbolische Bedeutung, insbesondere in Japan, wo sie als Symbol für Schönheit, Vergänglichkeit und Neuanfang gelten.
An den Wochenenden gibt es auch einen Flohmarkt, Designmarkt und Food Market und dann sind an einem Wochenende schon mal Zehntausende von Leuten unterwegs. Alle Geschäfte, Cafés und Kneipen in der Umgebung habe sich auf den Ansturm eingestellt. Wer es ruhiger mag, kommt unter der Woche, morgens oder abends und auch Nachtfotos von der Kirschblüte sind sehr sehenswert.
Wer sich nicht in den Trubel stürzen will findet japanische Kirschen z.B. in Beuel in der Professor-Neu-Allee oder in der Rheinaue.
Mein persönlicher Kirschblütenlieblingsort ist eine kleine Allee in der Rheinaue in der Nähe des japanischen Gartens: Diese Kirschbäume wurden von einem japanischen Chor gestiftet, der jedes Jahr mit ca. 5000 Sängern Beethovens „Ode an die Freude“ aufführt. Die Kirschallee ist ein Geschenk zu Ehren der Geburtsstadt Beethovens. Beethoven wird in Japan genauso verehrt wie die Kirschblüte.Aber das ist noch eine andere Geschichte…
von Annette Bohlen | Jan., 2025 | Architektur, Bonner Viertel, DE
Ich erinnere mich gut an die in den 90er Jahren leerstehende Zementfabrik (wir nannten sie „Geisterhaus“), die wir auf dem Fahrradweg nach Königswinter umrunden mussten. Heute ist hier – auf der sonnigen Seite von Bonn – am Wochenende ein sehr beliebter Treffpunkt. Fahrradfahrer machen hier Rast, Familien nutzen die Wiesen und Spielgeräte, Lokale laden ein zum Essen und Trinken.
In den 80er Jahren endete die Geschichte der Portlandzementfabrik und es begann ein längerer abwechslungsreicher Prozess der Planungen, Ausschreibungen und Wettbewerbe, was dort entstehen könnte.
Schließlich entstand – und es wird immer noch erweitert – an einer schönen neuen Rheinpromenade ein herausragendes Beispiel für die Transformation eines Industriestandortes. Innovative Architektur, nachhaltige Stadtplanung und attraktive Nutzungsmischung fügen sich gut zusammen mit der umgebauten Zementfabrik, einem Wasserturm und der ehemaligen Direktorenvilla.
Planung und Konzeption
Die Planung für den Bonner Bogen begann in den frühen 2000er Jahren und wurde von renommierten Architekten und Stadtplanern wie Karl-Heinz Schommer begleitet. Der Masterplan sah eine Nutzungsmischung aus Büroflächen, Hotels, Gastronomie und Wohnraum vor. Zentral war die Integration des Standorts in die natürliche Umgebung, insbesondere durch die Nähe zum Rhein und die Ausrichtung der Gebäude zum Rhein hin. Die architektonische Gestaltung legte dabei Wert auf Modernität und hochwertige Materialien, während auch historische Elemente, wie der denkmalgeschützte Wasserturm, erhalten und in die Neubauten integriert wurden.

Skulptur Mother Earth von Barton Rubenstein
Ein besonderes Augenmerk galt der ökologischen Nachhaltigkeit. Die Gebäude wurden nach modernen Umweltstandards errichtet, mit Fokus auf Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien.
Umsetzung und Etablierung
Die Bauphase begann 2004 und wurde in mehreren Etappen realisiert. Eines der ersten und bekanntesten Gebäude ist das Kameha Grand Hotel, das 2009 eröffnet wurde. Mit seiner Architektur und besonderem Design im Inneren, ist es zu einem Wahrzeichen des Bonner Bogens geworden. Es zieht nicht nur Touristen, sondern auch Unternehmen für Veranstaltungen und Kongresse an.

„Ei“ vom Marcel Wanders
Neben dem Hotel entstanden zahlreiche Büroflächen, die insbesondere von Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Wissenschaft und Beratung genutzt werden. Die Kombination aus modernen Arbeitsplätzen, hochwertiger Gastronomie und Erholungsräumen wie dem Rheinuferradweg macht den Standort zu einem begehrten Ort für Unternehmen und Arbeitnehmer.
Das gesamte Gebiet wurde durch mehrere Skulpturen ästhetisch aufgewertet, darunter die Skulptur „Der Denker“ des deutschen Künstlers Dieter W. Meding, die vor dem Hauptsitz des Softwareentwicklers SER steht, die Skulptur „Mutter Erde“ des amerikanischen Künstlers Barton Rubenstein, die vor dem Restaurant Rohmühle steht, und die Skulptur „Mutter Erde“, die an das 75-jährige Jubiläum der Vereinten Nationen erinnert.
Neueste Kommentare