Marathon in Bonn

Marathon in Bonn

1986 bin ich nach Bonn gezogen. Kurz danach lernte ich bei einem Seminar Helmut Thillmann kennen, der den Frühsport organisierte und uns beim Joggen zeigte, wie locker er schnell und lang laufen kann. Was er uns nicht ezählt hatte: er hat am 29. Januar 1986 zusammen mit Karl Lennartz, Axel Bosse, Hansjürgen Melzer, Thomas Greiser und Wolf-Dirk von Berchem den „Marathon Bonn e.V.“ mit Sitz in der Koblenzer Straße 26 in Bad Godesberg gegründet (Quelle: GA vom 5.4.2016).
Und für die Planung und Organisation war viel Zeit nötig. Drei Jahre später – zum Stadtjubiläum „2000 Jahre Bonn“ fand am 10. Juni 1989 in der damaligen Bundeshauptstadt der erste Marathon statt.
Straßensperrungen für einen Marathonlauf waren neu für Bonn. Argumente aus der Verwaltung dagegen lauteten z.B. „Die Läufer sollten an roten Ampeln stehen bleiben“ (Quelle: GA vom 11.06.2024)
Der Termin im Sommer wurde gewählt, da dies traditionell eine marathonarme Zeit ist. Zudem schlossen die Geschäfte samstags in den 1980er Jahren um 14 Uhr, und die meisten Arbeitnehmer hatten frei.
Beim ersten Marathon in Bonn finishten 2443 Läufer, darunter 156 Läuferinnen. Das Zeitlimit lag bei fünf Stunden. Heutzutage kaum vorstellbar, dass damals 375 Männer und 10 Frauen unter der magischen Drei-Stunden-Marke blieben. 1969 Athleten schafften die Strecke in einer Zeit von unter vier Stunden. (Quelle: a.a.O),
Schon 5.Juni 1993 zog sich nach dem fünften Marathon der Sponsor zurück. Damaliger O-Ton: „Für das Geld bekommen wir beim 1. FC Köln auch eine Saison-Werbebande.“ (Quelle: a.a.O.) Erst 2001 wurde der Marathon wieder dauerhaft ins Leben gerufen. Seit 2005 wird auch der Halbmarathon angeboten.
Stefan bein laufen am Marathon in BonnIn 2005 beginne ich als ehemaliger Judoka mit dem Laufen. Der Beginn ist mühsam – und es dauert bis zum Sommer 2006, dass ich erstmalig die so genannte kleine Brückenrunde (Kennedy- und Südbrücke) mit 10 km schaffe. Genau da kommt eine Verlosung meines Arbeitgebers: bis zu 25 Startplätze inkl Vorbereitungstraining. Was soll schon passieren? Schlimmstenfalls gewinne ich!
Was ich nicht ahnte: jeder, der teilnimmt, gewinnt! Denn die Erfahrung zeigt, dass nur wenige vom Trainingsbeginn bis zum Start im April durchhalten. Zu den Trainings zweimal pro Woche ab Firmentor kommen sonntags Läufe ab Kloster Heisterbach. Und bei den Trainern ist auch Helmut Tillmann dabei!
Während der Lauftrainingsphase kam im Januar 2007 der Sturm Kyril: der Sonntagslauf wurde durch die vielen nötigen Umwege deutlich länger als üblich: 28km. Kommentar des Trainers: alle, die noch auf Halbmarathon gemeldet sind, melde ich auf Marathon um.
Und so laufe ich – ohne jemals an einem Halbmarathon teilgenommen zu haben – am 22.04.2007 meinen ersten Marathon. Die Runde führte zum letzten Mal auch durch Godesberg, Rüngsdorf, Friesdorf, Poppelsdorf vorbei am Sportpark Nord zur Josefshöhe und dann zum Marktplatz.
Heute wird beim Marathon die Halbmarathonstrecke zweimal durchlaufen: Start in der Nähe der Oper über die Kennedybrücke und dann gen Süden bis zur Südbrücke und parallel zum Rhein wieder Richtung Kennedybrücke. An der Brückenrampe spielt zur Unterstützung der Läufer eine Sambaband, die den Laufrythmus aufnimmt. Eine große Schleife um die Beethovenhalle und dann an der Rheinpromenade (hier spendiert der Bonner Ruderclub den Läufern Kölsch) zur Rheinaue bis zum Forschungsinstitut Caesar.
Früher liefen die Marathonläufer hier geradeaus weiter, heute drehen hier alle Läufer und laufen über die Konrad-Adenauer-Allee bis zum Hofgarten. Diese Strecke ist oft fast ohne Publikum. Ab Hofgarten wird über Münster- und Bottlerplatz zum Marktplatz ins Ziel gelaufen.
Auf den letzten zwei km wird man vom Publikum ins Ziel (oder in die zweite Runde) getragen. Eine Superstimmung rechts und links der Laufstrecke.
Während die Anmeldungen beim Marathon kaum wachsen, steigen die Anmeldungen zum Halbmarathon immer weiter. 2025 werden 10.000 Läufer beim Halbmarathon starten.
Nachdem ich neben mehrmals in Bonn auch den Marathon in Istanbul, Florenz, von Nizza nach Cannes, am Gardasee gelaufen habe, habe ich 2019 in Tel Aviv meinen 15.Marathon abgeschlossen.
Durch Corona entstand eine längere Laufpause – und ohne Ziel habe ich auch das Training drastisch reduziert. Nun bin ich in 2025 wieder in Bonn zum Halbmarathon angemeldet. Wer sich genauer zur Laufstrecke und den einzelnen Wettbewerbe (auch für Inliner, Handbike oder Staffeln) informieren will, folgt dem Link zum Veranstalter: Deutsche Post Marathon Bonn
Karneval in Bonn

Karneval in Bonn

Der Bonner Karneval wird auch als „Fünfte Jahreszeit“ bezeichnet und beginnt offiziell am 11. November um 11:11 Uhr und erreicht seinen Höhepunkt in den Tagen vor Aschermittwoch.

Ursprünglich wurde der Karneval als heidnisches Fest gefeiert, um den Winter zu vertreiben. Später wurde der Karneval vor der christlichen Fastenzeit vor Ostern gefeiert.

Auch wenn nicht alle Bonnerinnen und Bonner Karneval mögen und feiern, hat er eine kulturelle und soziale Bedeutung. Viele engagieren sich in Karnevalsvereinen, von denen es zahlreiche in Bonn und den Bonner Stadtteilen gibt. Jeder Karnevalsverein hat andere ‚Uniformen‘ oder Kostüme. Die Uniformen gehen auf die französische Besatzung Ende des 18./ Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Die Besatzer verboten den Karneval, da sie Aufruhr fürchteten. Nach dem Ende der Besatzung wurde aber wieder gefeiert, und zwar in den Uniformen, die die Franzosen hinterlassen hatten. Man machte sich damit lustig über die Besatzer, später auch über die preußischen Besatzer. Ein Überbleibsel ist der ‚Stippeföttche‘, ein Tanz, bei dem Männer mit Säbel und Gewehr (in dem allerdings Blumen stecken) ihre Hinterteile aneinander ‚wibbeln‘.

Die Karnevalsvereine organisieren während der Session viele Karnevalssitzungen. Es gibt Prunksitzungen, Bälle, Tanzpartys, Damensitzungen, Herrensitzungen, Kindersitzungen – für jeden ist etwas dabei. Manch ein erfolgreicher Comedian oder auch einige Musiker hatte dort seine ersten Auftritte und legten den Grundstein für ihren Erfolg.

Der Auftakt des Straßenkarnevals ist die Weiberfastnacht. Traditionell stürmen die Frauen an diesem Tag das Rathaus, schneiden den Männern die Krawatten ab und übernehmen symbolisch die Macht. Dieser Brauch wurde vor 201 Jahren, im Jahr 1824, von den Beueler Wäscherinnen eingeführt. Damals brachten die Männer per Schiff die frisch gewaschene Wäsche nach Köln bekamen dafür das Geld, das sie häufig auch im Karneval verprassten. 1824 reichte es den Wäscherinnen und sie beschlossen, hart durchzugreifen. Sie trafen sich zum Kaffeeklatsch und gründeten das Alte Beueler Damenkomitee 1824 e. V. Seitdem wird in Beuel traditionell das Rathaus gestürmt und es findet der Weiberfastnachtszug statt.

Am Karnevalssonntag wird das Alte Rathaus am Bonner Marktplatz durch die Narren gestürmt. Die Oberbürgermeisterin versucht es zu verteidigen – natürlich erfolglos. Ab 11 Uhr herrscht ein närrisches Treiben auf dem Bonner Marktplatz – schaut doch mal vorbei.

Der Höhepunkt des Bonner Karnevals ist der Rosenmontagszug. Mehrere Stunden lang ziehen geschmückte Wagen, Fußgruppen und Musikvereine durch die Innenstadt und die Nordstadt. An der Zugstrecke stehen Tausende von Menschen und sammeln ‚Kamelle‘ und ‚Strüssje‘, also Bonbons und Blumensträuße. Für alle, die noch nie dabei waren: nehmt genügend Beutel für die Süßigkeiten mit.

Der Prinzen und die Bonna sind die Repräsentanten der Stadt während der närrischen Zeit. Sie nehmen an zahlreichen Veranstaltungen teil und sind die Stars der Session und natürlich des Rosenmontagszugs. Der letzte Wagen des Rosenmontagszugs ist der Wagen des Bonner Prinzenpaars, bevor dann die Stadtreinigung Bonn-Orange den gröbsten Schmutz des Zuges beseitigt. Ordnung muss sein. 🙂

Es lohnt sich auch als Nicht-Bonnerin oder Nicht- Bonner in jedem Fall, sich auf das Abenteuer Karneval einzulassen.

Mehr Informationen und Termine gibt es unter https://www.karneval-in-bonn.de/start/index.html

 

Von der Zementfabrik zum innovativen Treffpunkt: der Bonner Bogen

Von der Zementfabrik zum innovativen Treffpunkt: der Bonner Bogen

Ich erinnere mich gut an die in den 90er Jahren leerstehende Zementfabrik (wir nannten sie „Geisterhaus“), die wir auf dem Fahrradweg nach Königswinter umrunden mussten. Heute ist hier – auf der sonnigen Seite von Bonn – am Wochenende ein sehr beliebter Treffpunkt. Fahrradfahrer machen hier Rast, Familien nutzen die Wiesen und Spielgeräte, Lokale laden ein zum Essen und Trinken.

In den 80er Jahren endete die Geschichte der Portlandzementfabrik und es begann ein längerer abwechslungsreicher Prozess der Planungen, Ausschreibungen und Wettbewerbe, was dort entstehen könnte.

Schließlich entstand – und es wird immer noch erweitert – an einer schönen neuen Rheinpromenade ein herausragendes Beispiel für die Transformation eines Industriestandortes. Innovative Architektur, nachhaltige Stadtplanung und attraktive Nutzungsmischung fügen sich gut zusammen mit der umgebauten Zementfabrik, einem Wasserturm und der ehemaligen Direktorenvilla.

Planung und Konzeption

Die Planung für den Bonner Bogen begann in den frühen 2000er Jahren und wurde von renommierten Architekten und Stadtplanern wie Karl-Heinz Schommer begleitet. Der Masterplan sah eine Nutzungsmischung aus Büroflächen, Hotels, Gastronomie und Wohnraum vor. Zentral war die Integration des Standorts in die natürliche Umgebung, insbesondere durch die Nähe zum Rhein und die Ausrichtung der Gebäude zum Rhein hin. Die architektonische Gestaltung legte dabei Wert auf Modernität und hochwertige Materialien, während auch historische Elemente, wie der denkmalgeschützte Wasserturm, erhalten und in die Neubauten integriert wurden.

Skulptur Mother Earth von Barton Rubenstein

Ein besonderes Augenmerk galt der ökologischen Nachhaltigkeit. Die Gebäude wurden nach modernen Umweltstandards errichtet, mit Fokus auf Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien.

 

Umsetzung und Etablierung

Die Bauphase begann 2004 und wurde in mehreren Etappen realisiert. Eines der ersten und bekanntesten Gebäude ist das Kameha Grand Hotel, das 2009 eröffnet wurde. Mit seiner ​Architektur​ und besonderem Design im Inneren, ist es zu einem Wahrzeichen des Bonner Bogens geworden. Es zieht nicht nur Touristen, sondern auch Unternehmen für Veranstaltungen und Kongresse an.

Kameha Grand Hotel

„Ei“ vom Marcel Wanders

Neben dem Hotel entstanden zahlreiche Büroflächen, die insbesondere von Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Wissenschaft und Beratung genutzt werden. Die Kombination aus modernen Arbeitsplätzen, hochwertiger Gastronomie und Erholungsräumen wie dem Rheinuferradweg macht den Standort zu einem begehrten Ort für Unternehmen und Arbeitnehmer.

Das gesamte Gebiet wurde durch mehrere Skulpturen ästhetisch aufgewertet, darunter die Skulptur „Der Denker“ des deutschen Künstlers Dieter W. Meding, die vor dem Hauptsitz des Softwareentwicklers SER steht, die Skulptur „Mutter Erde“ des amerikanischen Künstlers Barton Rubenstein, die vor dem Restaurant Rohmühle steht, und die Skulptur „Mutter Erde“, die an das 75-jährige Jubiläum der Vereinten Nationen erinnert.

Eine Treppe von nationaler Bedeutung

Eine Treppe von nationaler Bedeutung

Die Freitreppe des Alten Rathauses hat bessere Tage gesehen. Ihre großen Auftritte sind rar geworden. Regelmäßig rückt sie nur noch am Karnevalssonntag in den Mittelpunkt, wenn die Karnevalisten zum Rathaussturm ansetzen. Dazu kommen seltene Ereignisse, in denen sie ihre frühere Bedeutung als große Bühne für kurze Zeit zurückgewinnt. So geschehen 2023, als die Telekom Baskets Bonn sich nach dem Gewinn der Champions League von ihren Fans auf ihr feiern lassen durften. Den Marktplatz füllen konnten die Jubelnden bei dieser Gelegenheit genauso wenig, wie die Jecken das am Karnevalssonntag schaffen. Da war Charles de Gaulle schon eine andere Nummer, als er sich am 5. September 1962 ins Goldene Buch der Stadt eintrug und danach unter Begeisterungsstürmen zusammen mit Konrad Adenauer auf die Freitreppe hinaustrat. Der Markt und der Bischofsplatz waren schwarz von Menschen, die bis weit hinein in die Sternstraße und die Wenzelgasse standen. Nach einer frei und auf Deutsch gehaltenen Rede schritt der damals akut attentatsgefährdete französische Staatspräsident zum Entsetzen seiner Sicherheitsleute die Treppe hinunter und nahm dann das, was wir heute ein Bad in der Menge nennen.

Vergleichbares hat die Rathaustreppe in Bonner Hauptstadtzeiten immer wieder erlebt. Von Theodor Heuss, der sich unmittelbar nach seiner Wahl zum ersten Bundespräsidenten von hier an das deutsche Volk wandte, über Kennedy 1963 und die Queen 1965 reicht die Liste bis hin zu Gorbatschow im Jahr 1989. Längst nicht alle Anlässe waren so spektakulär, und im Verlauf der Zeit zog auch Routine ein. Staatsbesuche waren, anders als noch in den sechziger Jahren, Alltag geworden. Trotzdem blieb die Rathaustreppe so etwas wie die Bühne der Bonner Republik. Der Grund war profan: Das Regierungsviertel lag abseits und es verfügte – Provisorium, das es war – über keine repräsentative Versammlungsfläche. Der Markt half aus.

Das gilt im übrigen auch für Demonstrationen. Bis in die achtziger Jahre hinein, als die Proteste gegen die Nachrüstung aufgrund ihres schieren Umfangs in den Hofgarten ausweichen mussten, war der Bonner Markt der wichtigste Demonstrationsort der Bundesrepublik Deutschland. Die Rathaustreppe spielte auch da manchmal eine Rolle – die vielleicht unrühmlichste am 10. April 1973, als Mitglieder der K-Gruppen im Schutz einer Studentendemonstration gegen den Besuch des südvietnamesischen Präsidenten in Deutschland das Rathaus stürmten – die Bedeutung dieser Begriffe für den Karneval mag ihnen nicht bewusst gewesen sein – und seine Einrichtung zu Klump schlugen. Danach ließen Sie sich, auf der Treppe stehend, von den Demonstranten feiern. Wir wohnten damals am Belderberg, und ich kann mich noch daran erinnern, wie die Demonstranten, im Sprunglauf untergehakt, vom Suttnerplatz kommend in die Rathausgasse einbogen und dabei den Namen Ho Chi Minhs skandierten. Der Rest ist Geschichte.

Revolutionär war es auf der Treppe schon viel früher: Am 20. März 1848 z.B. marschierte Gottfried Kinkel an der Spitze eines Zuges von Bürgern, Professoren und Studenten. Bewaffnet mit einer schwarz-rot-goldenen Fahne bestieg er die Freitreppe des Rathauses und sprach, wie Carl Schurz es ausdrückte, mit „wundersamer Beredsamkeit“. Weniger lebhaft ging es am 24. Oktober 1923 zu, als um 6 Uhr morgens, bezeichnenderweise fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit und unter dem Schutz französischer Soldaten, die „Rheinische Republik“ durch örtliche Separatisten von der Treppe aus proklamiert wurde. Der Spuk war mangels Unterstützung durch die Bevölkerung bald vorbei.

Die Bedeutung, die der Bonner Markt vor der Kulisse des Rathauses und mit der Rathaustreppe als natürlicher Bühne einst hatte, ist heute fast in Vergessenheit geraten. So erklärte der SWR jüngst, de Gaulle habe seine Rede im Hofgarten gehalten. Und Bonn erinnert sich auch nur hin und wieder an die Möglichkeiten, die das Rathauspanorama bietet. Ein großes Fest, bei dem die Bühne das Alte Rathaus verdeckt, ist eine vertane Chance. Am meisten aus den Möglichkeiten machen heutzutage noch die Brautpaare, die sich an dieser historischen Stätte trauen lassen. Gerne nutzen Sie die Freitreppe für das Spalier ihrer Gäste und bewahren so etwas von dem Charme des Ortes. Dumm nur der Ladeverkehr, der die schönen Bilder immer öfter stört. Dieser Eindruck mag subjektiv sein.

Hier erfahrt ihr mehr über die deutsch-französischen Beziehungen und de Gaulles Besuch in Bonn.

Kessenicher Kesselskuchen, eine rheinische Verführung

Kessenicher Kesselskuchen, eine rheinische Verführung

Ingo Daniels, lädt seit vielen Jahren seine einstige Nachbarschaft aus dem Sonnenpütz in Bonn Kessenich zum jährlichen Kesselskuchen-Essen ein. Hier trifft Gastfreundschaft auf rheinische Kulinarik.

Traditionell wird diese rheinische Spezialität um St.Martin serviert. Die Gans war früher für die ärmere Bevölkerung zu teuer und somit kam das „Arme-Leute-Essen“, der Kesselskuchen auf den Tisch.

 

Das Gericht besteht aus:                                              Kesselskuchen

~ Kartoffeln (mehlig kochend)

~ Zwiebeln

~ Eiern

~ Speck (gerne auch Mettwürstchen in Scheiben geschnitten)

~ Salz und Pfeffer.

 

Die Rezepturen sowie die Namen sind regional etwas unterschiedlich. So findet man Rezepte unter Döppekooche, Dippekuchen, Potthucke oder Kesselsknall. Um eine schöne Kruste zu bekommen, wird das Gericht in einem gusseisernen Topf (im Mittelalter im Kessel) zubereitet und brät 2-3 Stunden im Ofen bei 220ºC.

 

Greeter Helga with visitor from London. Ich, heute nur noch die einzige in Sonnenpütz Lebende, liefere das hausgemachte Apfelpüree,welches gerne dazu gereicht wird. Es besteht aus der alten Apfelsorte „Kaiser Wilhelm“ aus meinem Kessenicher Obst-Garten.

 

Doppelkirche in Schwarzrheindorf

Doppelkirche in Schwarzrheindorf

Cäsar, wie er da so sitzt auf dem Rheindeich in Schwarzrheindorf  mit dem Rücken zum Rhein und mit Blick auf die Doppelkirche wurde 1989 anlässlich des 2000-jährigen Geburtstags dort aufgestellt. Grundlage hierfür lieferte der römische Historiker Florus, der als erster die Gründung des Römerlagers in Bonn erwähnt und dieses Ereignis auf das Jahr 11 v.Chr. datiert hatte. Auch einen Brückenschlag des römischen Heeres über den Rhein aus demselben Jahr vermutete man kurzerhand an eben derselben Stelle.

Es ist übrigens die letzte hochwassersichere Stelle auf rechtsrheinischem Ufer, bevor es nach Norden hin in die tiefer gelegenen Auen der Siegmündung geht.

Dieser Vorzug des Standorts mit seinem festen Ufer war also auch den Römern bereits aufgefallen und so hatten sie genau auf der gegenüberliegenden Seite ihr Lager angelegt.

Es war nicht nur genau einen ersten Tagesmarsch auf dem Rückweg nach Rom vom römischen Hauptort Colonia Claudia Ara Agrippinensium, also Köln, entfernt, sondern strategisch günstig gegenüber dem Ausgang des Siegtales gelegen.

Die Fährverbindung des Castrum Bonnensis mit dem anderen Ufer wurde schon bald ein bevorzugter Ort des Rheinübergangs, der auch erhalten blieb, als der Siedlungskern Bonns längst einen knappen Kilometer weiter südlich zu finden war. Hierbei waren auch die späteren Grenzen zwischen den neuen Territorien von Bedeutung. Bonn gehörte zum hauptsächlich linksrheinisch gelegenen Erzbistum Köln und war neben Neuss, Andernach und Ahrweiler einer seiner Hauptorte, wohingegen die Stadt Köln selbst nach der Schlacht von Worringen, 1288, nicht mehr dazu gehörte Das Gebiet des heutigen Beuels hatte dagegen schon immer zum rechtsrheinisch gelegenen Herzogtum Berg gehört, dennoch gab es auf der „schäl Sick“ einige verstreute Gebiete, die der kirchlichen Obrigkeit des Erzbistums unterstellt waren, wie zum Beispiel die Ortschaften Vilich mit dem Adelheidisstift, das zudem der ursprüngliche Siedlungskern des späteren Beuels war, sowie Schwarz-Rheindorf mit dem architektonischen Juwel der Doppelkirche.

Diese Kirche, 1151 geweiht, ist fast 100 Jahre älter als das Münster und gewiss eine Hauptattraktion mittelalterlicher Baukunst im Rheinland. Nur wie kommt es, dass so ein Hauptwerk nicht in einem städtischen Zentrum entstanden ist, sondern hier weit vor den Toren der Stadt auf dem Land? Das hat tatsächlich viel mit dem besagten Rheinübergang zu tun und besonders im frühen Mittelalter den noch sehr starken Machtinteressen der im Reichsverband sehr ambitioniert auftretenden Kölner Erzbischöfe. Als Kanzler des Reiches und Krönungsbischof des Kaisers hatten sie eine Position, der sie gern auch baulich entsprechend weithin sichtbare Zeichen setzten. Und auf dem Krönungsweg der Kaiser von Frankfurt, wo ihre Wahl stattfand, über Köln nach Aachen, wo ihre Salbung und Krönung erfolgte, markierte die Doppelkirche das Betreten des erzbischöflichen Territoriums, und das an markanter Stelle am Rheinufer eben an der bevorzugten Übergangsstelle.

Und es war nicht irgendein Bau, sondern eine besonders prachtvolle Rundkirche nach Vorbildern aus Byzanz und Ravenna, denselben Vorbildern, die schon vorher beim Bau des Aachener Doms richtungsweisend gewesen waren. Der oktogonale Zentralbau ist im Innern heute noch sofort in seiner geometrischen Klarheit zu erkennen. Das sich daran anschließende Längsschiff, ohne phantastische Freskenmalerei, an dessen Südseite sich auch der heutige Kircheneingang befindet, ist sehr viel jüngeren Datums und wurde erst über 400 Jahre später angebaut. Die Fresken im ursprünglichen Rundbau stammen dagegen aus dem 12. Jahrhundert. Es ist ein Zyklus zum alttestamentarischen Propheten Hesekiel (= Ezechiel), wobei die nahezu vollständig erhaltenen Wandmalereien in ihrer Art nördlich der Alpen einmalig sind. Sie verdanken ihr Vorhandensein dem Umstand, dass sie lange übermalt und vergessen waren und erst spät im 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurden, als bei Renovierungen bereits nach denkmalschützerischen Gesichtspunkten vorgegangen wurde. In der napoleonischen Zeit nach der Säkularisierung war die Kirche gar ein Pferdestall gewesen, erst um 1840 ist sie wieder als Kirche geweiht und in den Dienst genommen worden.

Heute empfiehlt sich ein Besuch der Doppelkirche am Wochenende, weil dann sowohl draußen wie drinnen die oberen Galerien zugänglich sind und – jedenfalls auf Bonner Stadtgebiet – nirgends so wie hier eine Ahnung mittelalterlichen Lebens vor dem inneren Auge des Besuchers zu entstehen vermag. Da eine umfangreiche Renovierung der Kirche erst vor Kurzem abgeschlossen wurde, ist dies umso lohnender.

Auf dem Rheindeich  liegt rechter Hand der alte jüdische Friedhof, der frei zugänglich ist. Männer bitte eine Kopfbedeckung nicht vergessen. Am Eingang gibt es inzwischen auch eine Infotafel. Bis etwa 1860 war dieser ohne jede Brückenverbindung wirklich sehr abgelegene Ort die einzige Begräbnisstätte der Bonner Juden, erst danach wurde der neue jüdische Friedhof auf der Bonner Seite an der Römerstraße eingerichtet.

Auch lohnende Ausflüge in die Siegmündung, zur Siegfähre und weiter bis zur Mondorfer Fähre sind von hier aus gut zu unternehmen.

Gäste besuchen den Jüdischen Friedhof in Bonn während ihrer persönlichen Stadtführung mit einem Bonn Greeter Gäste besuchen den Jüdischen Friedhof in Bonn während ihrer persönlichen Stadtführung mit einem Bonn Greeter