Land unter! Rheinhochwasser in Bonn

 Land unter! Rheinhochwasser in Bonn

Hochwasser in Bonn-Beuel, Januar 2025Das letzte Hochwasser des Rheins hat Bonn im Januar 2025 gesehen. Der Pegel stieg auf nicht ganz 7,50 m und hatte damit die niedrigste Hochwassermarke um einen halben Meter überschritten. Keine große Sache für langjährige Rheinanwohner. Zunächst auf dem rechten Rheinufer in Beuel und dann an einigen anderen Stellen wurden die Uferpromenaden gesperrt.Die Autofähren konnten nicht mehr erreicht werden, und eine wichtige Straßenbahnverbindung wurde vorsichtshalber unterbrochen. Passiert ist nichts. Es war mehr die Gelegenheit für einen Sonntagsausflug ans Rheinufer.

 

 

Ganz anders die Flutkatastrophe von 1784. Sieht man einmal von zwei extremen Fällen im 14. Jahrhundert ab, über die es keine genauen Nachrichten gibt, war sie das mit Abstand schlimmste Hochwasserereignis am Rhein in historischer Zeit. Zwar existiert, der Bonner Rheinpegel erst seit 1820, aber das Hochwasser von 1784 lässt sich rekonstruieren. Es erreichte mehr als 14 Meter und damit 4 Meter mehr als jedes andere Hochwasser der letzten 650 Jahre. Auf dem rechten Rheinufer dehnten sich die Fluten bis in den Bereich des heutigen Beueler Bahnhofs aus. Mit Ausnahme der Wolfsburg, einer mittelalterlichen Wasserburg, wurden hier sämtliche Häuser zerstört. Auch im eigentlich hochwassersicheren Bonn wurden die zum Rhein hin gelegenen Quartiere, darunter das jüdische Viertel, schwer getroffen. Durch den ehemaligen Stadtgraben soll das Wasser sogar auf die Rückseite der Innenstadt gelangt sein und im Kreuzgang des Münsters gestanden haben. Dass es kaum Tote und Verletzte gab, lag am besonderen Charakter dieses Hochwassers. Während ‚normale’ Hochwasser das Ergebnis von Regen oder Schneeschmelze an den wichtigen Nebenflüssen sind und sich relativ schnell als Flutwelle den Rhein entlang bewegen, spielte dieses Mal das Eis eine große Rolle. Während mehr als zwei Monaten herrschten arktische Temperaturen, wiederholt unterbrochen durch starke Schneefälle und kurze Perioden von Tauwetter. Die Eisschollen türmten sich zu Barrieren auf, das Wasser konnte nicht abfließen und schon Wochen vor der eigentlichen Katastrophe stieg es langsam immer höher. Das gab den Menschen immerhin Zeit, sich und ihre Tiere zu retten. Als die Eisdämme Ende Februar endgültig brachen, waren es die Eisschollen, die die größten Verwüstungen anrichteten.

Hochwasser kennt der Bonner Raum, seit hier Menschen leben. Die Stadt und die Siedlungen, aus denen sie erwachsen ist, liegen in einer Landschaft, die der Rhein geschaffen hat. Zwischen dem Siebengebirge und dem Ennert im Osten und dem Kottenforst und dem Venusberg im Westen hat er einen Taltrichter gegraben, der bis heute von ehemaligen Flussarmen durchzogen wird. Sie sind immer noch vorhanden, aber im heutigen Stadtbild kaum noch zu erkennen. Der Mensch hat sich dieser Landschaft nur zögernd genähert. Die frühesten menschlichen Spuren stammen von den Hängen des Venusbergs und des Ennert. Die nur wenig über dem Flussniveau liegende Niederterrasse wurde erst spät besiedelt; und zwar an sorgfältig ausgewählten hochwassersicheren Punkten. Hier konnten wenige Meter den Unterschied machen. Dabei ist der Bereich der heutigen Bonner Innenstadt immer der sicherste gewesen. Sein höchster Punkt in der Acherstraße befindet sich  etwa 20 Meter über der Nulllinie des modernen Bonner Pegels. Ähnlich sicher liegen auch alte Siedlungskerne wie Muffendorf, Friesdorf oder Rüngsdorf im Bonner Süden. Deutlich stärker gefährdet sind bis heute Teile des Stadtgebietes auf dem rechten Rheinufer im Bereich der ehemaligen Stadt Beuel.

Wer mehr darüber wissen will, was die Hochwasser des Rheins auch heute noch für Bonn bedeuten können, dem sei ein Spaziergang am Beueler Rheinufer empfohlen. Hier finden sich an verschiedenen Stellen Marken, die die Hochwasser der Vergangenheit dokumentieren, und überall sind die Mauern und Fluttore sichtbar, die die erste Schutzlinie bilden.Sie sichert heute bis zu einem Pegelstand von 9,50 m, eine zweite, dahinter liegende bis 11,50 m. In der Rheinaustraße liegen die Erdgeschosswohnungen in vielen Häusern in der ersten Etage. Im eigentlichen Erdgeschoss befinden sich nur Garagen und Lagerräume – Erinnerungen an die nur wenige Jahre zurückliegende Zeit, in der schon ein 8,50 Meter-Hochwasser bis hierhin kam. Besonders ausgeprägt ist der Schutz im Beueler Norden. Der Rheindeich in Richtung Siegmündung ist nicht nur ein schöner Spazierweg, er versichert auch gegen ein Hochwasser bis 11,50 Meter. An der Bonner Rheinpromenade gibt es Vergleichbares nicht. Während südlich des Alten Zolls die Gebäude schon immer hoch am Steilhang lagen, hat man die Stadtquartiere weiter nördlich dadurch gesichert, dass man das Ufer aufgeschüttet hat; einmal in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei der Anlage der Rheinpromenade und zuletzt unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals wurden die Trümmer der zerbombten Altstadt zur Anhebung des Rheinufers um fast zwei Meter verwendet. Die ursprüngliche Höhe kann man noch am Fuß des Brückenpfeilers sehen, wo ein Stück der alten Promenade erhalten geblieben ist.

Dass dramatische Hochwasser auch in unseren Tagen noch vorkommen, haben die Jahre 1993 und 1995 gezeigt. In beiden wurde die 10 Meter-Marke überschritten. Schlagzeilen hat dabei das Schicksal des so genannten „Schürmann-Baus“ gemacht. Ursprünglich als Erweiterung des Bundeshauses geplant und heute Sitz der Deutschen Welle, wurde sein Rohbau vom Grundwasser der Flut des Jahres 1993 nach oben gedrückt und stand danach schief. Die Verantwortlichen haben damals nicht, wie es eigentlich vorgesehen war, die Tiefgarage geflutet, weil dort die zum Einbau vorgesehene Lüftungsanlage zwischengelagert war. Der Schaden war gigantisch. Dennoch hat sich der Bund gegen den Abriss und für die Fertigstellung des Gebäudes entschieden. Die Ereignisse dieser beiden Jahre sind es auch gewesen, die insbesondere auf dem rechten Rheinufer zu einer deutlichen Verstärkung des Hochwasserschutzes geführt haben. Dazu zählte auch ein aufwändiger Umbau der Kanalisation, um das Eindringen des Wassers auf diesem Weg zu verhindern.

Auch wenn in unseren Tagen eher die seit einigen Jahrzehnten im Durchschnitt sinkenden Pegel – der Klimawandel lässt grüßen – im Fokus stehen, weil sie die Leistungsfähigkeit des Rheins als Wasserstraße gefährden, wird das Thema Hochwasser Bonn auch in Zukunft begleiten.

Beethoven mit allen Sinnen – Hören

Beethoven mit allen Sinnen – Hören

Beethoven wurde in Bonn 1770 geboren, lebte und komponierte bis 1792 in Bonn. Die erste gedruckte Komposition Beethovens erschien bereits 1782. Deshalb nennt sich Bonn auch Beethovenstadt. Dieser Blog soll zeigen, dass Beethoven in Bonn mit unterschiedlichen Sinnen erlebt werden kann.

Natürlich kann man in Bonn Beethoven hören. Zum Beispiel beim Beethoven Orchester, beim Beethoven Fest (Home | Beethovenfest und https://bonn-greeters.org/beethovenfest-bonn-nicht-nur-2025/) oder beim Beethoven Piano Club (Homepage – Beethoven Piano Club ). In der Namen Jesu Kirche erklingt regelmäßig Beethovens Musik aus seiner Bonner Zeit ( Kunst und Kultur – Namen Jesu Kirche ).

Wer sich über das Leben von Beethoven informieren will, dem sei der Beethovenrundgang empfohlen (Standorte in Bonn | Beethoven-Rundgang ). An gelben oder silbernen Säulen mit den Buchstaben BTHVN kann die seine Geschichte in Bonn gelesen werden. Die gelben Säulen sind Chronoskope: dort können Kurzfilme gesehen und gehört werden.

Musik gibt’s auch zum Mitnehmen auf CD: Die Bonner Pianistin Susanne Kessel (Susanne Kessel – Wikipedia ) hat zum 250. Geburtstag weltweit Komponisten aufgefordert, Stücke, die sich auf Beethoven (seine Musik, sein Leben, seine Ideale….) beziehen, zu komponieren. Das Projekt 250 piano pieces for Beethoven (250 piano pieces for Beethoven | international composition project – initiated by Susanne Kessel ) hat Komponisten aller Genres animiert, sich zu beteiligen, darunter Wolfgang Niedecken (BAP) und MIke Garson (David Bowie Band).

Beethoven mit allen Sinnen – Riechen und Schmecken

Beethoven mit allen Sinnen – Riechen und Schmecken

Beethoven wurde in Bonn 1770 geboren, lebte und komponierte bis 1792 in Bonn. Die erste gedruckte Komposition Beethovens erschien bereits 1782. Deshalb nennt sich Bonn auch Beethovenstadt. Dieser Blog soll zeigen, dass Beethoven in Bonn mit unterschiedlichen Sinnen erlebt werden kann.

Riechen

Früher konnte man im Archiv des Beethovenhauses (Das Beethoven-Haus. | Bundesstadt Bonn ) zumindest etwas Beethoven – oder besser seine Noten – riechen. Dieses Vergnügen ist der Digitalisierung zum Opfer gefallen.

Nachdem bekannt wurde, dass Beethoven starken Mundgeruch hatte, wurde auch das Parfüm Beethoven (L.V.BEETHOVEN Power For Men 100ml – Eau de Parfum : Buy Online at Best Price in KSA – Souq is now Amazon.sa: Beauty ) vom Markt genommen.

Verbleibt nur der Tipp, wie Beethoven am Essen (Suppe, Kaffee) zu riechen, um den Geschmack zu überprüfen. Eine Anleitung hat das Schweizer Fernsehen bereitgestellt: 250 Jahre Ludwig van Beethoven – Die Suppe genoss er am liebsten mit 10 Eiern – Radio SRF 1 – SRF

Schmecken

Nicht nur beim Ludwigsgrill wird mit Beethoven geworben. Auch im Restaurant Ludwig (Bonner Bogen) oder der Bar Ludwig (Südstadt) wird der Name verwendet. Beethovens Bar ist im Motel One zu finden, In der Oper wird seine Oper „Fidelio“ manchmal aufgeführt, das Opernrestaurant gleichen Namens öffnet häufiger.

In der Friedrich-Straße können beim Chocolatier Coppeneur Beethovenwürfel erworben werden.

 

 

 

 

 

Auch das Café Kleimann in der Rheingasse bietet spezielle Beethoven-Köstlichkeiten an – und auch zu anderen Bonner Bekanntheiten.

Beethoven in Bonn mit allen Sinnen: Sehen

Beethoven in Bonn mit allen Sinnen: Sehen

Beethoven in Bonn mit allen Sinnen

Beethoven wurde in Bonn 1770 geboren, lebte und komponierte bis 1792 in Bonn. Die erste gedruckte Komposition Beethovens erschien bereits 1782. Deshalb nennt sich Bonn auch Beethovenstadt. Dieser Blog soll zeigen, dass Beethoven in Bonn mit unterschiedlichen Sinnen erlebt werden kann.

Sehen

Wird mit der Bahn angereist, sind die ersten Hinweise auf Beethoven in den Treppengeländern und an den Türen zum Hauptgebäude des Bahnhofs zu finden, ebenso bei der Bahnhofsmission.

Auch manche Ampel zeigt bei Grün, dass Beethoven in dieser Stadt geboren wurde.

Wer aufmerksam durch die Stadt geht, wird nicht nur die große Beethovenstatue auf dem Münsterplatz finden, sondern auch viele Beethoven-Figuren von Ottmar Hörl (in den Farben Gold, Grün, Lila oder Blau), die anlässlich des 250 Geburtstag Beethoven kreiert wurde, und den jungen, lächelnden Beethoven zeigen. (Beethoven Modell 2019| Werk | Ottmar Hörl ). Nicht nur in Schaufenstern, auch von Balkonen oder Vordächern blickt Beethoven auf die Passanten.

Manchmal sind auch selbstgemachte Beethoven-Figuren zu finden: ein Beispiel sitzt im Schaufenster vom Modehaus Maas gegenüber dem Beethovenhaus.

Weitere Beethoven-Kunstwerke sind in der Rheinaue oder im Stadtgarten zu finden. Hier hat Markus Lüpertz den kranken Beethoven dargestellt.

 

 

 

 

Nicht jedes Kunstwerk ist auf den ersten Blick als Beethoven-Denkmal zu erkennen: die Bildhauerin Yukako Ando hat in der Rheingasse (an der Stelle wurde Beethoven beim höchsten jemals gemessenen Hochwasser 1784 aus dem 2. Stock gerettet) ein, ein Pult errichtet, dessen Arbeitsfläche Ziehharmonika ähnlich in die Höhe und in ein geöffnetes Fenster übergeht. Aus diesem Fenster hatte Beethoven Blick auf den Rhein, die Beueler Seite und das Siebengebirge. Als Freiheitssymbol sitzt ein Vogel im Fenster. Ein Kinderstuhl vor dem Pult symbolisiert den heutigen Blick auf den Meister.

Vor der Beethovenhalle findet sich Beethoven von Klaus Kammerichs – eine außergewöhnliche Büste aus Beton.

 

Auch an Wänden oder Stromkästen ist der große Komponist zu sehen: Die Hauswand der Bahnhofsmission ist mit Beethoven geschmückt. In der Kaiserstraße/Ecke Weberstraße kann über die Bahngleise eine weiteres Mural besichtigt werden. Selbst im Stadtteil Beuel sind zwei große Murals zu finden (Jubiläumsjahr: Streetart in Bonn würdigt Beethoven – meikemeilen –)

Auf dem Marktplatz findet man Konterfei und Geburtshaus auf Stromkästen – zu den Marktzeiten ist oft auch der Ludwigsgrill zu sehen.

 

 

Der Alte Friedhof – Nicht nur Beethovens Mutter und Robert Schumann

Der Alte Friedhof – Nicht nur Beethovens Mutter und Robert Schumann

2025 feiert die „Fördergesellschaft für den Alten Friedhof Bonn e.V.“ ihr 50-jähriges Bestehen. Dazu gratulieren die Bonn Greeters herzlich! Mit seiner Arbeit leistet der Verein einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und zur Pflege einer der bedeutendsten historischen Sehenswürdigkeiten Bonns.

Der heute so genannte „Alte Friedhof“ ist leicht zu übersehen. Von Mauern umgeben, liegt er eingeklemmt zwischen drei Hauptverkehrsstraßen und der Bahntrasse. Sein Eingang befindet sich am Anfang der Bornheimer Straße fast unmittelbar neben dem Stadthaus. Wer dieses Tor durchschreitet, betritt eine andere Welt. Im Schatten hoher Bäume ducken sich Gräber aus vergangenen Zeiten. Verwitterte Grabsteine und verrostete schmiedeeiserne Kreuze prägen das Bild. Einige stehen schief. So manche Grabstätte wird offensichtlich nicht mehr gepflegt, ist überwuchert. Der Verkehrslärm tritt zurück, und Vogelgezwitscher dominiert. Kein Wunder, dass hier hin und wieder Spielfilme ihre Kulisse finden. Da werden dann die Nebelmaschinen angeworfen, und unheimliche Gestalten schreiten durch die Nacht. Das Geratter der Eisenbahn wird natürlich ausgeblendet.

Den Friedhof gibt es seit 1715. Damals lag er unmittelbar außerhalb der Stadtbefestigung. Seinen bis heute dreieckigen Grundriss verdankt er der Straßengabelung, in die Kurfürst Joseph Clemens – eher bekannt als der Bauherr des Bonner Stadtschlosses, der heutigen Universität – ihn hat legen lassen. Er war zunächst für Soldaten, Fremde und arme Leute vorgesehen; jenen Personenkreis also, dessen Familien nicht über Grabstätten auf den innerstädtischen Kirchhöfen verfügten. 1787 stieg er dann zum einzigen Friedhof der Stadt auf: Kurfürst Max Franz ließ die Pfarrkirchhöfe schließen und machte ihn zum „allgemeinen Begräbnisplatz“. Dahinter stand die Erkenntnis, dass von den überbelegten Kirchhöfen eine Gesundheitsgefahr für die Stadtbevölkerung ausging. In dieser Hinsicht war Bonn seiner Zeit voraus. In den meisten anderen rheinischen Städten wurden solche Maßnahmen erst während der französischen Herrschaft nach 1794 angeordnet.

Seine Funktion als „der“ Bonner Friedhof hat der Alte Friedhof bis zu seiner Schließung im Jahr 1884 behalten. Ab diesem Zeitpunkt durften nur noch Beerdigungen stattfinden, wenn die Familie bereits über eine Grabstätte auf dem Gelände verfügte, denn es gab keine Erweiterungflächen mehr. Die Bebauung war von allen Seiten an den Friedhof herangerückt.

Hier ist nicht der Ort, um im Einzelnen auf wichtige Grabstätten einzugehen. Eine Informationstafel am Eingang und die Internetseite der Fördergesellschaft liefern Pläne und eine detaillierte Übersicht. Da gibt es viel mehr zu entdecken als die Gräber von Beethovens Mutter, von Clara und Robert Schumann, Barthold Georg Niebuhr oder Ernst Moritz Arndt, denn der Alte Friedhof ist ein Spiegel der Geschichte des bürgerlichen Bonn im 19. Jahrhundert. Neben den Grablegen bekannter und unbekannter Bonner Familien spielen die Ruhestätten der Professoren der Universität eine große Rolle. Dieser Teil des Friedhofsregisters liest sich wie ein „Who is Who“ der damaligen deutschen Gelehrtenwelt. Über die ganze Anlage verteilt finden wir auch Spuren der für die Sozialgeschichte der Stadt wichtigen britischen Kolonie. Ein wenig versteckt liegen die Gräber von französischen Soldaten aus dem Krieg von 1870/71. Dazu kommt die kunsthistorische Dimension. Ein Rundgang ist immer auch eine Reise durch die repräsentative Begräbniskultur des 19. Jahrhunderts. Besonders wichtig auch die Friedhofskapelle – im 13. Jahrhundert als Kapelle der Deutschordenskommende von Ramersdorf entstanden und in den 1840er Jahren als ein frühes Beispiel von Denkmalschutz nach hier transloziert – und das ehemalige Marktkreuz des mittelalterlichen Marktes von Dietkirchen im Bonner Norden.

Zu den Kostbarkeiten des Alten Friedhofs gehört auch der Baumbestand, der teilweise bis weit ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Hier werden Probleme sichtbar: An manchen Stellen konkurrieren Denkmal- und Naturschutz, denn die Baumwurzeln bedrohen historische Grabstätten. Nirgendwo wird das deutlicher als am Grab von Ernst Moritz Arndt, wo die von ihm selbst vor vor fast 200 Jahren gepflanzte Eiche dabei ist, die Grabsteine umzustürzen.

Eine anderes Problem besteht darin, dass die Mehrzahl der Grabstätten nicht mehr belegt wird. Die Familien sind ausgestorben oder beerdigen ihre Mitglieder mittlerweile woanders. Damit ist die Zeit so gut wie stehengeblieben. Für die Stadt ist das eine große Herausforderung, denn sie kann zwar die Anlage als Ganzes bewahren, hat aber nicht die Mittel, um außer den Ehrengräbern die zahllosen nicht mehr genutzten Gräber zu pflegen, geschweige denn, die Grabsteine zu erhalten. Andererseits verbietet sich ein „Abräumen“ nach Auslaufen der Liegezeiten, wie es auf normalen Friedhöfen üblich ist, wegen der historischen Bedeutung des Ortes und wegen des bestehenden Denkmalschutzes. Zur Auflösung dieses Dilemmas trägt die Fördergesellschaft bei. Sie kümmert sich nicht zuletzt um die Restaurierung von historisch oder kunsthistorisch bedeutsamen Gräbern.

Eine andere Möglichkeit sind die durch den Verein vermittelten „Grabpatenschaften“. Dabei übernehmen die Paten die Pflege eines herrenlosen Grabes bis hin zur Restaurierung des Grabsteins und erwerben damit das Recht von der Stadt Bonn, sich am Tag X in diesem Grab bestatten zu lassen. Dass man bei einem solchen Handel zustimmt, unter einem fremden Grabstein zu liegen und sich auf ein bescheidenes Steinkissen mit dem eigenen Namen zu beschränken, mag nicht jedermanns Sache sein. Und manche halten es auch für morbide, wenn jemand das eigene Grab schon zu Lebzeiten pflegt. Meine Frau und ich finden es jedoch irgendwie beruhigend zu wissen, wo wir einmal landen werden – wenn nichts dazwischen kommt.

Das Bundesbüdchen

Das Bundesbüdchen

Baujahr 1957 und in Nierenform, gefliester Sockel und ein breites Überdach: ein (Kult-)Kiosk mitten im UN- bzw ehemaligen Regierungsviertel in Bonn.

In diesem Viertel, etwas abseits von der Innenstadt, gab es noch nie viele Geschäfte oder Lokale, in Regierungszeiten eine kleine Ladenzeile fürs Nötigste. Aber die wichtigsten Zeitungen gab es am Kiosk von Jürgen Rasche, dem nach seiner Mutter langjährigen Besitzer, wo sich die damalige Politprominenz wie Joschka Fischer und Norbert Blüm, Angestellte der umliegenden Bundesinstitutionen und Journalisten auch zu einem Kaffee oder einer Bratwurst trafen. In diesem Regierungsviertel waren die Wege zu Büros und Sitzungen oder in den Plenarsaal zu Fuß oder per Fahrrad kurz, gerne traf man sich noch zum persönlichen  Austausch mangels anderer Möglichkeiten im Presseclub, in der Villa Dahm oder in der kleinen Bar unter dem Ersatzplenarsaal am Rheinufer. Oder – wie gesagt – auf einen kleinen Informationsaustausch am Büdchen.

Mit der Verlagerung der Hauptstadt nach Berlin im Jahr 1999 verlor das Bundesbüdchen zunächst an Bedeutung und musste schließlich dem Neubau des WCCB weichen (World Conference Center Bonn). Immerhin rettete der Denkmalschutz das edle Büdchen, es wurde auf einem Speditionshof eingelagert. Es blieb für die Bonner Bevölkerung ein Symbol für die Blütezeit der Stadt als Regierungssitz, daher konnte ein engagierter Förderverein schließlich die Restaurierung finanzieren und wir freuen uns heute über dieses Relikt aus Regierungszeiten, nun neben dem World Conference Center, wo Brötchen, Kuchen und mehr verkauft werden.